Wer bekommt da nicht Appetit, wenn die Tatort Kommisare Ballauf und Schenk am Sonntag um 21.40 Uhr nach gelöstem Fall sich ein Kölsch und eine Currywurst gönnen. Wenn man nicht gerade Vegetarierer / Veganer ist, würde man gerne mit den Beiden tauschen.

Das war Anlass fĂĽr mich, einfach mal zu sehen, wo gibt’s denn wirklich noch echte Wurstbuden bzw. Schnell- imbisse mit dem Schwerpunkt  Pommes, Currywurst und Hamburger. Klar hat die Systemgastronomie mit den Ketten Burger King, dem MarktfĂĽhrer Mc Donalds und die Sandwichkette Subway ihr Filialnetz dichter gezogen. Aber dies geschieht zu 95 % – zumindest in unserem Verbreitungsgebiet Wetterau – auf der grĂĽnen Wiese. Aber wie sieht es innerstädtisch aus? Und so habe ich unsere drei Städte Butzbach, Bad Nauheim und Friedberg einmal beleuchtet. Und war schon erschrocken – obwohl ich es mir fast schon dachte – dass die Currywurst (in Kantinen gehört die Wurst und auch die Frikadelle neben dem Schnitzel zu den Top Ten Gerichten) in Form von Schnellimbissen so gut wie ausgestorben ist. Vereinzelt in Restaurants kann man sie bestellen, aber das hat nichts mehr mit der alten Wurst in der Schale zu tun. Vielmehr ist festzustellen, dass gerade der Schnellimbiss im Wandel der Zeit (es muss ja irgendwie alles schneller gehen), nicht ausgestorben ist. Aber nicht mehr mit deutscher Beteiligung. Insgesamt konnte ich fĂĽr alle drei Innenstädte 14 mal Döner- Gastronomie, neun Asiaten, vier Italienische Snackbars, einmal Imbiss mit dem Schwerpunkt GeflĂĽgel und doch ganze drei Schnell- imbisse mit der guten alten Wurst zählen. Bei gesamt 30 Imbissbetrieben kommen wir auf einen Marktanteil von 73 % fĂĽr die asiatische und tĂĽrkische KĂĽche. Da bleibt ein Marktanteil von 10% fĂĽr das Kultgericht. Und nur zwei von den aktuell drei Betrieben haben es ĂĽber die Jahre geschafft, sich am Markt zu halten. Die Rede ist vom Salzhaus sowie die Imbussbude in der BismarckstraĂźe in Friedberg. Wer denkt nicht an die vergangene Zeit und hatte Nachts noch schnell einen Burger oder eine Currywurst im Salzhaus verdrĂĽckt. Ob das lecker war, eine gute Frage – es gab vor zwanzig Jahren fast keine Alternative. Jetzt dominieren die Fastfoodketten. Alleine von den Ă–ffnungszeiten unschlagbar. Der Imbiss Kosel in der BismarckstraĂźe Friedberg wird bereits seit 41 Jahren als Gastro gefĂĽhrt. Davon seit  sechs Jahren von der Familie Kosel.

Mitinhaber Dennis Kosel: „Wir bieten unseren  Gästen ein täglich wechselndes Gericht an, dazu bieten wir unsere Klassiker Currywurst und Hamburger in bester Qualität an. Die Wurst kommt z.Bsp. von einem Friedberger Metzger“. Zweihundert Essen gehen an guten Tagen über die Ladentheke. Gutbürgerlich muss nicht OUT sein. Man hat eben ein großes Stammpublikum.  Auch in Bad Nauheim gab es eine Anlaufstelle:  Rustico. Und die Rindswurst, die auf dem Grill so richtig gebruzzelt wurde, dazu die heiße Currysoße. Ja das waren noch Zeiten. Es hat sich vieles verändert. Das digitale Zeitalter mit den sozialen Medien, das Bestellen von Waren aus dem Internet, das Ausgeh- und Verzehrverhalten. Und damit auch der Hang zu gesünderem Essen. Obwohl bei der Betrachtungsweise zwischen Currywurst und Döner…ich glaube, dass beide kalorientechnisch sich nicht viel geben. Und da stellt sich einfach die Frage, warum die allseits beliebte Wurst so an Distribution verloren hat. Die Imbissbuden an den Kirchweihen sind doch auch immer bestens frequentiert. Nach den fast verwaisten Innenstädten bin ich auf die Spurensuche der Wurstbuden gegangen.

Und siehe da, es gibt sie noch: In den Gewerbegebieten, meist an Baumärkten, ist in jeder Stadt mindestens ein Imbiss vertreten. Obwohl auch hier eine Verdrängung zu bemerken ist. Aus der Wurschtbude wird schnell ein Italiener oder Döner. Aber man kämpft um seine Daseinsberechtigung. Oft mit Frühstücksangebot wie das Blockhaus am Taubenbaum, oder auch mit Mittagstisch bzw. –karte will man den Kunden Abwechslung bieten. Auch mit Veggieburgern und kreativen Gerichten will man den Gast umgarnen. In unserer Betrachtungsweise hat Friedberg in jedem Gewerbegebiet eine Wurstbude. Im Südgebiet den Imbiss Treffpunkt und im Westgewerbegebiet das Grillgut, wo auf Flamme im modernen Look der Gast angezogen wird. Etwas abseits nicht zu vergessen, das Schlemmer Eck an der Saarstraße, welches auch bereits Jahrzehnte seinen Dienst tut. In Butzbach haben wir in punkto Innenstadt keinen Treffer gelandet, am toom Baumarkt aber die Worschtbud gefunden. Wir hoffen, dass die Betreiber in ihrer Randlage und den eingeschränkten Öffnungszeiten ihre Daseinsberechtigung behalten. Es wäre schade, wenn diese Gastroart so ganz in den nächsten Jahren verloren geht.