Die Anreise von Deutschland mit dem Flugzeug über Kopenhagen bis in den Westen Grönlands dauert 2 Tage. Als uns gestern Grönlands größter Flughafen „Kangerlussuaq“ tief gelegen im Søndre Strømfjord mit heftigem Schneeregen empfing hätte sich niemand diese märchenhafte Schönheit und Stille, die uns nun empfängt, auch nur annähernd vorstellen können.

Als wir am 1. Morgen das Deck betreten, schauen wir in eine wahre Winterlandschaft die sich vor uns erstreckt. Das makellose Weiß der vor uns liegenden tief verschneiten Berggipfel und das tiefe dunkelblau des wolkenlosen Himmels versprechen einen schönen Tag. Die glitzernde Wasserfläche des Fjords lässt die Sonne wundersam spiegeln.
Für diese kommende Woche haben wir den heimatlichen Frühling getauscht mit dem noch tief verschneiten und winterlichen Grönland. Hier wollen wir uns den Traum von unberührten Pulverschneeabfahrten erfüllen an der von kilometerlangen Fjorden zerfurchten Westküste. Nachdem wir die Entscheidung für einen wunderbaren, vor uns liegenden Berg getroffen haben lässt der Kapitän unseres Dreimastschoners schon den Anker werfen und die drei Schlauchboote werden zu Wasser gelassen. Die anstehende Erkundungsfahrt, bei der zugleich der erste Schwung an Ski-Ausrüstung an Land transportiert wird, finden wir eine ideale Stelle zum Anlanden. Nun heißt es die Steigfelle auf die Ski zu ziehen und schon wenige Augenblicke später steigen wir langsam, und mit gleichmäßigen Schritten über die unberührte Schneefläche sanft bergan.
Eine atemberaubende Stille empfängt uns in der menschenleeren winterlichen Landschaft.  Schweigend und jeder für sich in eigene Gedanken versunken den herrlichen Morgen genießend steigen wir bergan. Je höher wir kommen, umso großartiger wird das Panorama: 360° rings um uns nichts als weiße, tief verschneite Berglandschaft, unterbrochen nur von den tiefblauen verzweigten Armen der Fjorde.

Unser Segelschiff ist weit unten in einem dieser Meeresarme zu erkennen. Bis zu 30 Passagiere haben Platz auf diesem sehr komfortablen schwimmenden Basislager. Wir sind zurzeit vermutlich die einzigen Menschen, die sich während dieser Woche überhaupt an diesem Küstenabschnitt Westgrönlands befinden. Diese völlige Unberührtheit und die absolute Einsamkeit in dieser Bergwelt ist sicher auch einer der größten Reize unserer abenteuerlichen Tour. Nach fast vier Stunden gleichmäßigem Aufstiegs haben wir den Gipfel erreicht. Bei einer Höhe von ca. 1200 m haben wir einzigartige Ausblicke nach allen Seiten. Während wir ausgiebig pausieren schweifen unsere Blicke über die menschenleere Berglandschaft.

Das Highlight des Tages steht jedoch aber allen von uns erst noch bevor:

Die nun folgende Traumabfahrt über mehr als 1200 Höhenmeter in komplett unberührtem Pulverschnee lässt uns jubeln! Ob mit  Ski oder Snowboard – noch nie haben wir einen solchen großartigen Pulverschnee erlebt. Jeder fährt seine eigene Linie, Schwung um Schwung in den aufstiebenden Pulverschnee. Unten am Ufer warten bereits unsere Schlauchboote und keine 20 Minuten später werden wir wieder zurück an Bord gebracht. Dort warten heiße Getränke und frischer Kuchen. Apropos Luxus: Unser argentinischer Schiffskoch der uns jeden Abend ein opulentes Dreigänge-Menü auf den Tisch zaubert, braucht keinen Vergleich zu scheuen.

Als wir abends mit einem guten Glas Rotwein in der Hand an Deck stehen empfängt uns ein farbenprächtiges Spektakel der Nordlichter unterm klaren Nachthimmel. Die Silhouette der großartigen Berglandschaft im silbrigen Mondlicht gleitet lautlos an uns vorbei und ein perfekter Tag geht zur Neige. Nach 6 großartigen Skitour-Tagen bei absolutem Traumwetter geht diese Reise leider zu Ende. Wiederkommen ist fast schon Pflicht bei den Erlebnissen.