Gedankenlesen: Soziale Phobie oder auch soziale Angststörung.

////Gedankenlesen: Soziale Phobie oder auch soziale Angststörung.

Gedankenlesen: Soziale Phobie oder auch soziale Angststörung.

„Wenn du durch die Angst hindurchgehst, wirst du dich frei fühlen“
Spencer Johnson

Soziale Phobie oder auch soziale Angststörung.

Soziale Phobie oder auch soziale Angststörung. Was ist das eigentlich und wer hat das? Es wäre zu einfach, zu sagen, diese Menschen sind einfach nur schüchtern. Es ist schon eine extreme Form der Schüchternheit. Wenn ich die Panik­attacke die Diva unter den Angststörungen (letzte Ausgabe) genannt habe, dann ist die soziale Phobie genau das Gegenteil: Lieschen Müller. Man kann nur schätzen, wie viele Menschen betroffen sind. Die meisten haben noch gar nicht realisiert, dass sie nicht einfach nur ruhig und introvertiert sind, sondern an einer Angststörung leiden. Diese Menschen haben eine Angst entwickelt für Situationen, in denen sie kritisch betrachtet oder beobachtet werden. Das hört sich jetzt erst mal ganz banal an. Welche Situationen könnten das sein? Natürlich so etwas wie eine Rede halten, ein Gedicht aufsagen. Aber das geht viel weiter: sich im Unterricht melden, an die Tafel gehen, eine Prüfung, im Restaurant essen, auf die Toilette gehen, auf eine Party gehen, im Beisein von Menschen telefonieren, eine Verabredung treffen, einen fremden Menschen ansprechen, mit Vorgesetzten sprechen, sich durchsetzten. Wenn irgendwie möglich, werden solche Situationen tunlichst vermieden. Das hört sich jetzt erst einmal „nicht so schlimm“ an. Aber stellen Sie sich mal vor, was das für diese Menschen im alltäglichen Leben bedeutet. Beruflich werden sie nicht vorankommen. Sie trauen sich nicht Präsentationen zu halten, Projekte anzunehmen, beim Vorgesetzten mehr Gehalt oder eine Beförderung zu fordern, sich gegen Kollegen durchzusetzen oder zu bestehen. Gehen lieber einen Schritt zurück. Auch wenn sie das Zeug dazu hätten, das Wissen, die Kompetenz. Sie trauen sich halt nicht und können nur frustriert zuschauen, wie die Dumpfbacken weiter vorm Chef Bodennebel streuen und an ihnen auf der Karriereleiter vorbeiziehen.

Da hilft oft nur noch Sarkasmus.

Auch im partnerschaftlichen Bereich hört der Frust nicht auf. Entweder traut man sich gar nicht jemanden zu treffen, der Interesse zeigt. Und wenn, dann bekommt man den Mund nicht auf, wirkt wenig attraktiv und bleibt allein. Mal wieder. Und wenn jetzt die Freunde verpartnert sind, steht man auf einer Party wieder allein da und wird kritisch beäugt, weil man ja allein ist. „Mit dem / der kann ja was nicht stimmen, dass der / die immer noch allein ist“. Und genau das war ja die Angst – kritisch betrachtet zu werden. Diese Angst bestätigt sich jetzt. Ein Teufelskreis, der oft in einer selbstgewählten Isolation endet.

Die Begründungen (Ausreden) dieser Menschen sehen natürlich anders aus.

Die Soziophobie wird mehr und mehr zur Volkskrankheit. Der ständig wachsende Leistungsdruck, der Druck perfekt auszusehen, begünstigt und bestärkt natürlich jede Form der Selbstunsicherheit. Und weil die Betroffenen häufig von hohem Ehrgeiz geprägt sind, verringert diese Angststörung das Selbstwertgefühl noch einmal mehr. 100% zu geben, dass weiß jeder, ist schwer. Meist nicht mal notwendig. Aber für jemanden, der 1.000% geben muss, wird klar, der kann nur an seiner eigenen Messlatte scheitern. Und Scheitern frustriert. Eine ganz dumme Wechselwirkung. Unterstützt von dem Wunsch, in den Augen anderer als besonders gut und besonders strahlend dazustehen. Ein Konstrukt, das so überzeichnet wird, dass es gar nicht funktionieren kann. Denn der Betroffene hat ja immer noch die Angst, sich zu blamieren. Und dieser Angst wird Futter gegeben, in dem man sich ständig selbst negativ beobachtet. Und dann fängt man an zu stottern, errötet, Übelkeit, weiche Knie, ständig zur Toilette müssen, einsilbig, Mund trocken…. Viele Betroffene halten ihr Verhalten für normal. Man ist eben schüchtern oder introvertiert. Da gibt es nichts zu ändern. Das wird fälschlicherweise angenommen. Viele Betroffene ziehen sich weiter zurück, vermeiden die angstmachende Situation. Aber wir sind nun mal soziale Wesen. Ich sag immer: Wir sind Herdentiere und brauchen unsere Herde. Und deshalb ist es wichtig, dem ganz eigenen Grundbedürfnis zu folgen und aus diesem Kreis auszubrechen. Je früher desto besser. Jetzt, weil später ist irgendwie wie gestern.

Ihre Sandra Feldmann
(www.sandra-feldmann.de)

Von |2019-01-06T17:27:49+01:0006.01.2019|Kategorien: Im Visier|

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